Betsimisaraka, die unzertrennlichen Vielen der Ostküste Madagaskars

Betsimisaraka, die unzertrennlichen Vielen der Ostküste Madagaskars

Betsimisaraka, die unzertrennlichen Vielen der Ostküste Madagaskars

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Die Betsimisaraka, wörtlich „diejenigen, die sich nicht trennen

11. Apr. 2019

Die Betsimisaraka, wörtlich „diejenigen, die sich nicht trennen", bilden eine wichtige madagassische ethnische Gruppe, die die Ostküste der Insel von Mananjary bis Vohémar besiedelt. Sie sind tatsächlich der zweite größte Stamm Madagaskars.

Dieses warmherzige Volk lebt in einem feuchttropischen Klima und schöpft seine von Lässigkeit und Lebensfreude geprägte Kultur aus einer reichen natürlichen Umgebung, bestehend aus dichtem Regenwald, üppiger Vegetation und langen weißen Sandstränden.

Entstehung des Königreichs Betsimisaraka

Um 1720 herum eroberte Ratsimilaho, Sohn des englischen Piraten Thomas White und der Madagassin Rahena, Fenoarivo oder „die Stadt der tausend Krieger" mit Hilfe der Völker des Nordens, die Antavaratra genannt werden. Er soll danach einen Blutspakt mit den alliierten Stammesführern geschlossen haben, um ihre Allianz auf ewig zu festigen. So entstand das erste Königreich Betsimisaraka, über das dieser Eroberer unter dem Namen Ramaromanompo oder „derjenige, der von vielen Menschen bedient wird" herrschte.

Das Volk der Betsimisaraka

Diese große Ethnie besteht aus etwa 1,5 Millionen Betsimisaraka, verteilt auf ungefähr 72.000 km² der östlichen Küste Madagaskars. Es ist ein sesshaftes Volk, das hauptsächlich von Brandrodungsanbau und Fischerei lebt. Dieser Teil der Insel unterliegt einer sozialen Organisation, die auf einem Prinzip von Häuptlingstümern basiert, das tanky genannt wird. Jedes Häuptlingstum vereinigt die Nachkommen einer gleichen Linie mit einem gemeinsamen Vorfahren und einem lônjobe oder Hauptgrab und wird durch eine Reihe von fady (Verboten) geregelt. Eine Linie kann sich in Unter-Linien teilen, die taranaka genannt werden, und zur Schaffung eines Nebengabs führen, das tranomanara genannt wird.

Das Leben der Betsimisaraka

In großen Städten wie Toamasina und Mananjary wird die Lebensweise stark vom Westen beeinflusst, aber außerhalb davon gibt es noch traditionelle Lebensweisen. Viele Betsimisaraka leben immer noch in Konstruktionen aus Pflanzenmaterial auf Stelzen, sogenannte trano falafa, und leben von Landwirtschaft (besonders vom Brandrodungsanbau von Reis), Fischerei und Viehzucht.

Der gegenseitige Zusammenhalt oder die berühmte firaisan-kina (eine Variante der fihavanana) ist in betsimisaraka-Dörfern immer noch sehr lebendig. Sobald sich die Gelegenheit bietet, wird gefeiert: gemeinsame Gesänge und Tänze, charakterisiert durch Hüftbewegungen, die an polynesische Tänze erinnern.

Mann und Frau in der betsimisaraka-Gesellschaft

Frauen tragen lambahoany (langer Stoff mit Mustern) und tragen täglich masonjoany (Schönheits- und Sonnenschutzmaske) oder das Hemd akanjobe und einen Rock oder saimbo. Männer tragen manchmal lambahoany, sonst kurze Hosen und ein Hemd oder T-Shirt.

Obwohl der Mann das Familienoberhaupt und der Dorfführer ist, ist die Frau die Hausherrin und ihre Meinung wird immer ernst genommen. Die Frau behält die Güter, die sie geerbt hat oder ihr gegeben wurden, und im Falle einer Scheidung werden gemeinsame Güter zu gleichen Teilen aufgeteilt, im Gegensatz zur Sitte der Hochplateaus.

Der Ahnenkult

Wie in allen madagassischen Gesellschaften beeinflussen Ahnen das tägliche Leben der Betsimisaraka. Das famadihana oder tsaboraha (Umbettung der Toten) und das joro (Kommunikation mit den Ahnen) sind zwei sehr wichtige Zeremonien. Die Gräber liegen immer abseits der Dörfer, tief im Regenwald, und stellen heilige Orte dar. Nosy Antafana, eines der Inselchen des Marineparks von Mananara Nord war ehemals ein Bestattungsort.

Die Betsimisaraka und der Wald

Nach betsimisaraka-Überzeugung ist der Wald ein heiliger Ort, in dem die Toten begraben werden und auch übernatürliche Wesen wohnen, besonders tsiny und kalanôro. Es ist ein gefährlicher Ort, an dem die Umwandlung des Todes stattfindet. Man betritt ihn niemals ohne seinen Hund oder ohne sich ein Messer zu nehmen.

Um Reis sicher zu kultivieren, ist es daher notwendig, alle umgebenden Bäume zu verbrennen. So wird der Brandrodungsanbau erklärt! Wirtschaftliche Schwierigkeiten und die Ankunft neuer Migranten führen jedoch dazu, dass sich die Mentalitäten wandeln und einige dieser Überzeugungen „verblassen"!

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